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Als erstes Mitglied der SPD-AG Finanzen hat die Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer auf die vielen E-Mails geantwortet. Sie halte eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für "konjunkturpolitisch verfehlt", stimme jedoch dem Koalitionsvertrag zu. Wir dokumentieren den Text und laden Sie herzlich ein, diesen zu kommentieren.
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihr Schreiben. Mir ist bewusst, dass die Inhalte des SPD-Wahlprogramms bezüglich der Mehrwertsteuererhöhung anders waren. Um es schon mal vorweg zu nehmen: als Diplomkauffrau halte sie für konjunkturpolitisch verfehlt und habe das auch immer im Finanzausschuss vertreten. Dennoch werde ich im Bundestag dem Koalititionsvertrag als "Ganzes" wohl zustimmen, obwohl er Inhalte und Festlegungen enthält, die weder ich, noch weite Teil der übrigen SPD-Abgeordneten begrüssen.
Das Bundestagswahlergebnis ließ zum jetzigen Zeitpunkt leider keine anderen Möglichkeiten zur Regierungsbildung zu, da die Gräben zur Linkspartei zu groß waren. Für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen zur "Großen Koalition" wären Neuwahlen unausweichlich gewesen. Abgesehen davon, dass Neuwahlen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem ähnlichen Wahlergebnis führen würden und die schwierige politische Situation nicht bereinigen könnten, wäre ein erneuter Urnengang im Frühjahr nächsten Jahres den Wählern nicht zumutbar gewesen. Hinzu käme der vollständige politische Stillstand für viele weitere Monate, den ich nicht für verantwortbar halte.
Der jetzt beschlossene Koalitionsvertrag ist nicht das Ergebnis einer "Liebesheirat" - sondern das eines in wochenlangen, harten Besprechungen ausgehandelten Zweckbündnisses. In dem Kompromiss ist es uns gelungen, viele Sozialdemokratische Positionen und Überzeugungen durchzusetzen, andere wiederum (Bsp. Mehrwertsteuer) leider nicht - das ist nunmal Wesen eines Kompromisses. Insofern halte ich es zum jetzigen Zeitpunkt für nicht sinnvoll, einzelne Maßnahmen und Festlegungen isoliert zu betrachten.
Vor dem Hintergrund der schwierigen politischen Situation, wie es eine Koalition mit dem politischen Gegner immer darstellt, ist für eine Volkspartei wie der SPD selbst bei größten Willensanstrengungen, unmöglich, die politischen Ziele allesamt durchzusetzen. Dafür braucht es an aller erster Stelle entsprechende parlamentarische Mehrheiten, die wir aber momentan nicht haben. Wichtig für mich ist jetzt, dass wir unsere Partei programmatisch (neu-)orientieren und unsere politischen Forderungen und Werte - ungeachtet dessen was wir mit CDU/CSU realisieren können - nicht aus den Augen verlieren dürfen. Es wird auch eine Zeit nach der "Großen Koaliton" geben!
Ich denke, dass die "Große Koalition" schon ihrem Wesen nach sicher kein Dauerzustand sein ist. Ich werde alles dafür tun, damit es bei den nächsten Bundestagswahlen eine Regierung geben wird, die uns erlaubt, mehr von unseren politischen Vorstellungen zur Gestaltung einer solidarischen und gerechten Gesellschaft zu verwirklichen. In diesem Sinne verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
gez. Ingrid Arndt-Brauer, MdB
Die hier gesammelten Kommentare werden wir an Frau Arndt-Brauer weiterleiten
, Eintrag von:
Antwort eines Ex-Kollegen
Liebe Andrea, liebe Ingrid,
lieber Florian, lieber Lothar,
zunächst einmal auch von mir einen herzlichen Dank, dass ihr auf die Protestmails zur Mehrwertsteuererhöhung geantwortet habt. Als euer ehemaliger Kollege freue ich mich, dass ihr den Protest so vieler Bürgerinnen und Bürger nicht schweigend hinnehmt.
Ich freue mich noch mehr darüber, dass ihr alle die Argumente gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, wie sie in den Protestmails geäußert werden, teilt. Das ist allerdings ja auch kein Wunder, denn es sind ja die SPD-Argumente aus dem Wahlkampf. Was vor der Wahl richtig ist, kann ja nach der Wahl nicht falsch sein.
Nun schreibt aber nur Andrea, dass sie sich vorstellen könnte, unter Umständen auch im Bundestag gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, wie sie im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, zu stimmen. Ihr drei anderen verweist auf den Kompromisscharakter einer Koalitionsvereinbarung, in der keiner der Partner seine Vorstellungen lupenrein durchsetzen kann. Das ist sicher so und ich glaube, dass das den meisten Menschen generell auch klar ist. Aber, was ist das für ein Kompromiss: Zwei Prozentpunkte „Merkelsteuer“ im Wahlkampf ablehnen und sich danach auf drei Prozentpunkte einigen.
Ihr findet unsere Alternativvorschläge auch im Großen und Ganzen richtig, auch wenn Lothar ja ellenlang aufzählt, welche Streuerschlupflöcher Rot/Grüne schon geschlossen hat. Dennoch bleibt, dass die rot/grüne Steuerpolitik, tatkräftig unterstützt von Bundesrat, die Unternehmen begünstigt hat. Und die Steuerfreiheit der Veräußerungsgewinne, gegen die ich gekämpft habe, bescherte ihnen einen Reibach sondergleichen. Dass die Verbände trotzdem noch schreien, geht nach dem Motto: „je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen still.“ Ich kann mich noch erinnern, wie zufrieden sich der, damals noch Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) über unsere Steuerpolitik äußerte. Während Christine Scheel und bei uns auch einige über das Lob freuten, war doch klar, dass die nächsten Forderungen bald auf den Tisch kommen würden. Und so geschah es ja dann auch und alle gaben nach: nun soll der Körperschaftsteuersatz noch einmal gesenkt und die Mehrwertsteuer erhöht werden. Ich finde, dass hat mit Besteuerung nach Leistungsfähigkeit nichts mehr zu tun und mit sozialer Gerechtigkeit schon gar nicht. Und wirtschaftspolitisch ist es töricht.
Ich bitte euch darum, euren Antworten Taten folgen zu lassen, noch einmal über unsere Alternativen nachzudenken, sie in die Beratungen der Bundestagsfraktion und des Finanzausschusses einzubringen und euch gegen die Erhöhung der Mehrwertsteuer zu wehren.
Herzliche Grüße
Detlev von Larcher
07.12.2005 10:48, Eintrag von: M_Ecke
Mein Kommentar zu Frau Arndt-Brauer
Sehr geehrte Frau Arndt-Brauer,
mir ist es ein innerestes Bedürfnis, zu
Ihrer Antwort ein paar Kommentare zu
einem leider typischen Statement der
heutigen Politikerklasse anzumerken:
------------------------------
...Um es schon mal vorweg zu nehmen: als
Diplomkauffrau halte sie für
konjunkturpolitisch verfehlt und habe
das auch immer im Finanzausschuss
vertreten. Dennoch werde ich im
Bundestag dem Koalititionsvertrag als
"Ganzes" wohl zustimmen, obwohl er
Inhalte und Festlegungen enthält, die
weder ich, noch weite Teil der übrigen
SPD-Abgeordneten begrüssen.
---------------------------
Sogenannte Parteidisziplin ist also
wichtiger als des Wohl des Volkes oder -
eine Nummer kleiner - die eignen
Überzeugungen! Ist sowas ein
"Volksvertreter"? In Sinne eines
"Versicherungsvertreters" wohl leider: JA!
-----------------------------
Das Bundestagswahlergebnis ließ zum
jetzigen Zeitpunkt leider keine anderen
Möglichkeiten zur Regierungsbildung zu,
da die Gräben zur Linkspartei zu groß waren.
-----------------------------
Wer hat diese Gräben mit Abrißbirnen
eigentlich aufgerissen?
Insbesondere mit dem Stil der
herbeigelogenen und das Grundgesetz
verachtenden Bundestagswahl und schon
viel früher mit der Verkündung des
großangelegten staatlichen
Verarmungsprogramms mittels
Steuer"reform" aus 2000 und der "Agenda
2010"?
----------------------
...Für den Fall eines Scheiterns der
Verhandlungen zur "Großen Koalition"
wären Neuwahlen unausweichlich gewesen.
Abgesehen davon, dass Neuwahlen mit
hoher Wahrscheinlichkeit zu einem
ähnlichen Wahlergebnis führen würden und
die schwierige politische Situation
nicht bereinigen könnten, wäre ein
erneuter Urnengang im Frühjahr nächsten
Jahres den Wählern nicht zumutbar
gewesen. Hinzu käme der vollständige
politische Stillstand für viele weitere
Monate, den ich nicht für verantwortbar
halte.
-----------------------------
Ist für es Sie als Volksvertreter also
verantwortbarer, viele Menschen dieses
Landes unmittelbar bzw. in nicht
allzuferner Zeit in die Armut und
soziale Ausgrenzung zu schicken durch
den sozialen und gesellschaftlichen
Kahlschlag der Neoliberalen
Einheitspartei Deutschlands, bestehend
aus den Flügeln einer nicht mehr in der
Realität von Millionen Bürgern weilenden
"S"PD und dem neoliberalen Wahnsinn der
"C"DU?
Oder gehören Sie zu denen, die Angst
haben, als Wahllügner bei einer Neuwahl
von den Wählern dahin geschickt zu
werden, wo sie hingehören: auf die Flure
des Arbeitsamts - äähhh... Bundesagentur
für Arbeit als deren Kunde? Vielleicht
weil die Zeit noch nicht gereicht hat,
sich einen wohldotierten Posten bei
einem der Lobbyisten, deren Interessen
man im Reichstag vertritt, sichern zu
können?
------------------------------
Der jetzt beschlossene Koalitionsvertrag
ist nicht das Ergebnis einer
"Liebesheirat" - sondern das eines in
wochenlangen, harten Besprechungen
ausgehandelten Zweckbündnisses. In dem
Kompromiss ist es uns gelungen,....
-----------------------------
Das ist KEIN Kompromiß!! Das ist eine
verhängnisvolle, in den nächsten Jahre
die soziale Situation von Millionen
verschärfende und sich wahrscheinlich
durch Selbstrefenzierung
verselbständigende Weichenstellung, die
immer mehr an das erinnert, was die
Weimarer Republik in die Katastrophe des
Faschismus geführt hat: Politik im
Interesse und unter unmittelbarem Diktat
des Großkapitals!
Aber das war ja unter Rosa/Olivgrün
schon vorgegeben worden - insofern kann
man zynisch von stabilen politischen
Verhältnissen sprechen :-(
--------------------------
...viele Sozialdemokratische Positionen
und Überzeugungen durchzusetzen, andere
wiederum (Bsp. Mehrwertsteuer) leider
nicht - das ist nunmal Wesen eines
Kompromisses. Insofern halte ich es zum
jetzigen Zeitpunkt für nicht sinnvoll,
einzelne Maßnahmen und Festlegungen
isoliert zu betrachten.
-------------------------
"Sozial"demokraten haben noch
Überzeugungen? Das merken sie aber seit
2000 wohl nur noch selber! War da noch
was außer der Machtgeilheit und dem
Kleben an den wohldotierten Sesseln im
Berliner Reichstag? Das dafür aber umso
prinzipien-, ideen- und konzeptloser -
außer natürlich dem alternativen
Basta-Kurs des Herrn Schröder.
Und wirklich: bloß keine
Einzelbetrachtungen von Maßnahmen und
Festlegungen aus dem Koalitionsvertrag -
es könnte sich ja auf einmal die
Überzeugung einstellen, daß man in
keinen Spiegel mehr schauen kann.
---------------------------------
...ist für eine Volkspartei wie der SPD
selbst bei größten Willensanstrengungen,
unmöglich,....
------------------------------
"S"PD, Volkspartei, Willen - seit der
Ära des Lügners und Wahlbetrügers
Schröder drei Widersprüche in sich!!
------------------------------
...die politischen Ziele allesamt
durchzusetzen. Dafür braucht es an aller
erster Stelle entsprechende
parlamentarische Mehrheiten, die wir
aber momentan nicht haben...
-------------------------------
Nur gut, daß die "S"PD dafür nicht
verantwortlich ist (Achtung! Für alle,
die es nicht verstehen: das ist
sarkastisch gemeint!)
-----------------------------
...Wichtig für mich ist jetzt, dass wir
unsere Partei programmatisch
(neu-)orientieren und unsere politischen
Forderungen und Werte - ungeachtet
dessen was wir mit CDU/CSU realisieren
können - nicht aus den Augen verlieren
dürfen. Es wird auch eine Zeit nach der
"Großen Koaliton" geben!
----------------------------
Was für Forderungen? Was für Werte? Was
für eine Zeit?
Forderungen: die eignen nach den seit
1998 drei Wahlkämpfen immer selbst veraten!
Werte: die in den gleichen Wahlkämpfen
gerne angeführten danach immer selbst
verraten!
Die Zeit danach: bedeutet ja wohl, die
persönliche Ernte einfahren durch gut
dotierte Stellen bei den Lobbyisten,
deren Forderungen man im "Parlament"
vertreten hat - siehe weiter oben.
--------------------------------
...Ich denke, dass die "Große Koalition"
schon ihrem Wesen nach sicher kein
Dauerzustand sein ist. Ich werde alles
dafür tun, damit es bei den nächsten
Bundestagswahlen eine Regierung geben
wird, die uns erlaubt, mehr von unseren
politischen Vorstellungen zur Gestaltung
einer solidarischen und gerechten
Gesellschaft zu verwirklichen...
-----------------------------
Nach den Versprechnungen und Aussagen
der letzen 3 Wahlkämpfe und der
Basta-Politik der "S"PD seit 2000 kann
das doch nur ein Drohung sein - oder?
Mir fällt abschließend an die Adresse
der Wähler in diesem Lande die bekannte
Binsenweisheit ein: jedes Volk hat immer
exakt die Regierung die es verdient!
Mit großer Wut ein ehmaliger Wähler der
damals noch SPD
M.Ecke
04.12.2005 12:39, Eintrag von: barbara
danke
Danke für Ihre ausführliche
Stellungnahme.
Am meisten sorge ich mich um all die
armen Kinder und familien in BRD:wie
sollen diese leute bis zu der von Ihnen
genannten nächsten legislaturperiode
durchhalten, wenn die MWST-Erhöhung
ohne Kompensation erfolgt? Die
regelsätze wurden doch aufgrund der
früheren lage bestimmt...wie sollen
denn diese menschen jetzt mit noch
weniger Geld auskommen?
Bitte setzen Sie sich hier für
verbesserungen ein - sonst sehe ich
schwarz für Kinder - und alte menschen,
vor allem alte frauen, die ja
bekanntlich von Mini-renten leben
müssen, nachdem sie ihre Kinder
großgezogen haben.
Bitte helfen Sie!
Danke, und beste grüße,
ich freue mich über eine mail von Ihnen
BJF
25.11.2005 20:36, Eintrag von: Hanne
Mehrwertsteuer
Sehr geehrte Frau Arndt-Brauer,
eine große Koalition sehe ich gar
nicht so negativ. Die angekündigte
Mehrwertsteuererhöhung um 3% halte ich
allerdings nicht für einen Kompromiss
sondern für Wählertäuschung. Die SPD
wollte gar keine Erhöhung, die Union
wollte 2%. Ein Kompromiss liegt m.E.
irgendwo bei 1% - 1,5%.
Wenn sich denn heute ein nicht
vorhersehbarer (?) Schuldenstand
auftut, bleibt immer noch die
Möglichkeit einer moderateren Erhöhung
bzw. eine Option der stufenweisen
Erhöhung. Im Jahr 2006 schauen was die
Konjunkturbelebungsversuche bringen,
2007 eine Erhöhung um 1,5%. Weiter
schauen welche anderen Massnahmen
fruchten und eine erneute Erhöhung
abwägen in Verbindung mit weiteren
Konjunkturbelebungsversuchen. So in
etwa wäre meine Vorstellung. Aber den
Bürgern gleich 3% unterzujubeln macht
sie nicht glaubwürdig. Desweiteren
wäre in der Tat zu schauen, ob der
Mehrwertsteuersatz für alle Artikel
des täglichen Bedarfs insbesondere
auch Kinderartikel auf 7% herabgesetzt
wird und Luxusartikel jeder Art mit
16, bzw. mehr besteuert werden.
Vorschläge die bereits im Wahlkampf
gemacht wurden und - aus mir
unerfindlichen Gründen - verworfen
wurden. Ich gehe davon aus, dass Sie,
sehr geehrte Frau Arndt-Brauer, hier
am Ball bleiben und wir, Ihre Wähler,
ebenso. In diesem Sinne viel Erfolg
und freundliche Grüße
22.11.2005 15:19, Eintrag von: Campino
Sehr geehrte Frau Arndt-Brauer!
Zunächst möchte ich mich für die
Beantwortung meines Schreibens recht
herzlich bedanken.
Dass die Politiker den Wählern keinen
erneuten Urnengang im Frühjahr 06
zumuten wollten, ist sehr
rücksichtsvoll. Allerdings würden wir so
viel Rücksichtnahme auch bei anderen,
wichtigen politischen Entscheidungen
begrüßen. Mir persönlich hätte eine
Neuwahl nichts ausgemacht. Einen
politischen Stillstand bzw, „Rückstand“
sind wir Bürger inzwischen doch gewöhnt.
Diese Einzelmaßnahme
(Mehrwertsteuererhöhung)kann und muss
ich isoliert betrachten, weil sie für
mich eine wesentliche Einschränkung
bedeutet und mit Sicherheit niemals
zurückgenommen wird. Die
Haushaltslöcher, die damit gestopft
werden sollen, wären ohne die gewaltigen
Steuergeschenke der letzten Jahre an
Unternehmer und Besserverdienende gar
nicht erst entstanden.
[...] Durch diese unsinnige
Entscheidung „muss“ die Konjunktur
einfach weiter geschwächt werden. Die
Reichen werden reicher, die Armen werden
ärmer, der Mittelstand stirbt weiter,
die Erwerbslosen werden noch
zahlreicher. Der Import minderwertiger
Ware, die in sogen. Billigländern auf
Kosten der dort lebenden Menschen und
unserer Umwelt produziert wird, nimmt
weiter zu, wodurch die Produktion im
eigenen Lande weiter abnimmt. Zu dieser
logischen Schlussfolgerung kommen alle
Bundesbürger, die mit offenen Augen
durchs Leben gehen. Unsere Damen und
Herren Politiker haben diese Weitsicht
-oder besser Kurzsicht, denn das Ausmaß
werden wir schon bald vor Augen haben-
anscheinend nicht.Wenn man naiv wäre,
könnte man sagen : „…denn sie wissen
nicht was sie tun“. Doch so naiv sind
weder die Politiker, noch ein Großteil
der Bürger. Denn sie wissen ebenso gut
wie wir, wer die Fäden in der Hand hat,
an denen die Püppchen tanzen.
Sehr geehrte Frau Arndt-Brauer, ich
hoffe sehr, dass das Ergebnis der
(Neu)-Orientierung wirklich eine
„Volkspartei SPD“ sein wird, so wie ich
sie aus längst vergangenen Zeiten kenne,
damit das „Volk“ wieder guten Gewissens
zur Wahl gehen kann.
Mit freundlichen Grüßen
20.11.2005 18:18, Eintrag von: Gotthard
Sehr geehrte Ingrid Arndt-Brauer
Ich finde gut, dass Sie sich
differenziert mit den Bedenken der Leser
dieser Seite auseinandersetzen.
Andererseits tut die Politik ihr
Möglichstes, den Eindruck zu erwecken,
als hätten ihre Aussagen einen
Verfallszeitraum von wenigen Minuten.
Was die Mehrwertsteuer angeht, so gibt
es das Beispiel Japan, vor dem sogar die
TIMES in ihrem Wirtschaftsteil
Deutschland warnt. Wenn offenkundig
soviel Fachwissen und gesunder
Menschenverstand in dieser Maßnahme
keinen Sinn erkennen kann, dann
befremdet es mich schon, wenn man zu
solch einer Maßnahme greift. [...]
Mit freundlichen Grüßen
20.11.2005 16:27, Eintrag von: Neandertaler
Demokratie? ARISTOKRATIE des Geldes!!!
Wir sehen es wieder einmal: Die
angebliche Demokratie, ist eine
Geldaristokratie. [...]
Jedes neue Gesetz, jede neue Steuer
belastet ausschließlich die einfache
Bevölkerung - besonders die 'Kleinen'
Leute, also jene, denen das Geld
fehlt!!!
Die Reichen-Steuer ist wieder einmal
nur Makulatur! Wie wäre es mit
folgender Variante dieser Steuer:
Großverdiener können ihren Steuersatz
senken, indem sie ihr Kapital für
Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen
einsetzen. Wer für
seine 'Gewinnmaximierung' Arbeitsplätze
opfert, verringert die Einnahmen durch
entfallende Sozialversicherungsabgaben
und Lohnsteuern - sollte diese dann
auch tragen/auffangen müssen!
Für aufrichtige Reiche - sollte es die
geben, wäre DIESE Version
kostenneutral, für die großen Abzocker
ergäbe sich kein Gewinn mehr aus der
Arbeitslosigkeit - ein optimaler Motor
für mehr Beschäftigung!!!!
20.11.2005 09:11, Eintrag von: hardcoder
Volksentscheid
Guten Tag,
19% ist ja auch nur eine Spitze von
einem Eisberg. Die Politik suggeriert
via den Medien: "Der Wähler hat es so
gewollt (meint: selbst Schuld)" - Ich
sehe das so: der Wähler wollte weder das
Eine (CDU-CSU) noch das Andere (SPD) und
bekommt als Dankeschön die Inkompetenz
beider (CDU-Kohl: überstürzte,
unüberlegte Wiedervereinigung,
SPD-Schröder: "oh ich schaffe es nicht
ergo - Vertrauensfrage!") als "Paket"
das er zu tragen hat - traurig.
"Was wären denn die Alternativen?", fragt
man nun zu Recht.
Jetzt hätte man durch die
Wiedervereinigung eine Hürde weniger auf
dem Weg zu einer VERFASSUNG MIT
VOLKSABSTIMMUNG! - denn welche
Entscheidungen durch Volksabstimmung
könnten schlechter sein als das was die
"Volksvertreter" z. Z. im "Sinn" haben ???
18.11.2005 11:46, Eintrag von: Mando
Das ist Mist! Das sieht ein Blinder!
Dass die MwSt-Erhöhung ein Schuss ist,
der nach hinten losgehen wird, ist jedem
klar. Nur den werten Politikern in ihren
Elfenbeintürmchen nicht. Das Argument:
"Wir wissen, daß wir Mist bauen, aber
unser neues Ziel heisst wohl 'Große
Koalition', und nicht mehr Wohl der Wähler!" [...]
Was passiert in Deutschland, wenn die
Mehrwertsteuer erhöht wird?
Zuerst einmal muss jede 16 zur 19
gemacht werden. Da dies nicht von
alleine passiert, sind hierfür Menschen
erforderlich. Jedes Druckstück mit
diesem Aufdruck muss also händisch
geändert werden, oder wandert in den
Abfall und wird neugedruckt. Das alleine
dürfte einige Milliarden kosten.
Dort wo Software im Einsatz ist, wird
das ganze von Heer von Programmiern
wieder an die Arbeit gehen. Wieviele
Anläufe da nötig sind und wie oft dabei
ganze Computersysteme fehlerhaft
reagieren oder lahmgelegt werden, kann
wohl keiner schätzen.
Kurzum muss jeder einzelne Preis von der
Gesamtheit aller angebotenen Artikel in
Deutschland umgepreist werden.
Der hieraus entstehende Aufwand, bzw.
volkswirtschaftliche Schaden dürfte auch
Milliarden verschicken.
Wieviele Leute deswegen länger arbeiten
müssen, oder andere Arbeiten nicht
verrichten können, lange Kilometer dafür
abfahren, das soll besser nicht erfasst
werden, weil das erfassen auch Geld und
Mühe verschlingt.
Konsumententechnisch werden bei
Umpreisungen auch Preiserhöhungen
vorgenommen. Das ganze ist ein
ausgenommener volkwirtschaftlicher GAU.
Das ist für politische Entscheidungen
aber nicht relevant, so scheint's, und
dort werden andere Interessen verfolgt.
Beispielsweise Entlastung und Subvention
von Großfirmen, damit die schneller mehr
Geld haben, um Arbeitsplätze
auszulagern. Warum wird das höher als
das Volkswohl angesetzt? Oder sind es
vielleicht die schnöden
Pensionsansprüche, auf welche die
Politiker spekulieren? Das eigene
bequeme Leben gefällt wohl mehr? [...]
Da diese Mehrwertsteuer alleine den
kleinen Mann trifft und nachhaltig das
Land selbst, kann sich jeder schon mal
darauf einstellen, dass nach erzieltem
Mißerfolg die Steuerschraube wieder
weitergedreht wird. [...]
, Eintrag von:
Wahl-Lügen
Mir scheint es mittlerweile schon im
Alltag der Politik vollkommen normal zu
sein, Wahlaussagen zu korrigieren, nur
um weiterhin in den Genuss von Diäten
und vielen Vorteilen zu gelangen, die
ein Bundestagsmandat mit sich bringt.
Aber Sie und Ihre Kollegen/innen
vergessen dabei, daß Ihr Auftrag nicht
ist, den Willen einiger weniger
machtbesessener Partei-Vorständler zu
vertreten, sondern einzig und allein
den Willen des Volkes! Dafür wurden Sie
gewählt, dafür hat die BRD die
Demokratie. Also MACHEN SIE DAS AUCH
ENDLICH.
Ich empfehle jedem, der / die in Kürze
als Regierungsmitglied die Eidesformel
zu sprechen hat, sich bereits JETZT
genau zu überlegen, ob man bereit ist,
den Teil des Eides zu erfüllen, der da
heisst: "... zum WOHL des deutschen
Volkes!" [...]
15.11.2005 21:51, Eintrag von: Rha
Etwas falsch verstanden...
Sehr geehrte Frau Arndt-Brauer,
nicht nur Sie, sondern auch viele
andere Abgeordnete machen einen
entschiedenen Fehler:
Sie wurden nicht gewählt um einer Partei
zu dienen. Sie wurden gewählt um dem
Volk zu dienen. Dafür werden Sie von
uns primär bezahlt. Parteiwille ist
nicht gleich Volkswille, und auf
letzteren kommt es an. Diese Rechnung
liest sich zwar sehr einfach und man
hört es auch immer wieder. Aber genau
darum geht es und wird immer wieder
missverstanden. Vielleicht wird es auch
absichtlich missverstanden. Der
Begriff "Volksvertretung" wird seit
langem (oder schon immer?) sehr
entfremdet und leider völlig falsch
interpretiert. Ich wähle
keinen "Parteivertreter".
Mit freundlichem Gruß
15.11.2005 15:17, Eintrag von: guenter
Sehr geehrte Frau Arndt-Brauer,
haben Sie vielen Dank für Ihre
Antwort auf unser Schreiben zur
geplanten Mehrwertsteuererhöhung. Ich
freue mich, dass Sie unsere Kritik
weitgehend teilen. Als Begründung für
die Erhöhung der Mehrwersteuer verweisen
Sie auf die Notwendigkeit von
Kompromissen bei der Regierungsbildung.
Natürlich orientiert sich Politik an
gegebenen politischen Mehrheiten. Um
wirksam zu sein, muss sich Politik aber
auch immer an den Realitäten messen
lassen. Trotz Unterschieden in den
Konsequenzen sind sich außerhalb der
Regierungsparteien Vertreter/innen fast
aller politischen Lager einig, dass eine
Mehrwertsteuer in der gegenwärtigen
konjunkturellen Situation nicht
realitätstauglich ist. Bei schleppender
Binnennachfrage dürfen Konsumsteuern
nicht erhöht werden.
Nun werden Koalitionsverträge niemals
eins zu eins in politische Praxis
umgesetzt. Vorher steht ein politischer
Prozess und eine Bundestagsentscheidung.
Ich möchte Sie aufrufen, bis zur
Entscheidung im Bundestag mit dafür zu
streiten, dass die
Mehrwertsteuererhöhung nicht umgesetzt
wird. Sie ist konjunkturschädigend und
ungerecht.
Darüber hinaus wird es bis zur
Bundestagsdebatte darum gehen,
plausibele Alternativen politisch stark
zu machen. Eine Antwort, auch da sind
wir uns einig, kann nicht darin
bestehen, den Staat weiter kaputt zu
sparen und soziale Leistungen zu
streichen.
In unserem Brief an Sie und Ihre
Kollegen in der SPD-Finanz-AG haben wir
konkrete Maßnahmen benannt.
1. Steuerbetrug und Steuerumgehung
müssen wirksam bekämpft werden. Denn die
Bundesländer handeln zur Zeit nach dem
Motto: wer am laxesten Steuern
eintreibt, bei dem wird investiert. Die
Bundesländer profitieren nicht davon,
Steuerbetrug effektiv zu bekämpfen. Aus
diesem Grund muss die Steuerverwaltung
von einer Länder- zu einer Bundesaufgabe
werden und Personal und Ausstattung
müssen erheblich aufgestockt werden.
Dieser Punkt sollte auch bei der Union
unstrittig sein und könnte in der
Föderalismuskommission Gewicht bekommen.
2. Es darf nicht sein, dass der
deutsche Steuerzahler mit seinen
Steuermitteln die Verlagerung von
Arbeitsplätzen ins Ausland
subventioniert. Steuerliche
Abzugsmöglichkeiten müssen auf solche
Geschäftsvorgänge begrenzt werden, deren
Gewinne auch in Deutschland besteuert
werden (Prof. Lorenz
Jarass). Darüber hinaus müssen
Unternehmen angemessen besteuert werden.
Rot-Grüne Steuergeschenke an Unternehmen
haben nicht zu mehr Investitionen
geführt. Die effektive Steuerbelastung
der Unternehmen liegt unter dem
europäischen Durchschnitt. Deutschland
hat zwar auf dem Papier mit 38,5% die
höchsten nominalen Sätze. Tatsächlich
werden aber nach nur noch 10%
Gewinnsteuern gezahlt (aktuelle Studie).
3. Darüber hinaus müssen legale
Steuersparmodelle müssen
ausgedünnt und Steuerschlupflöcher
gestopft werden. Einkünfte aus Kapital
sowie Verpachtung und Vermietung sollten
wieder angemessen besteuert werden (Details). Der
Spitzensteuersatz sollte wieder auf
mindestens 45 % angehoben werden.
4. Auch bei der Besteuerung von
Vermögen (Grund-, Erbschafts-,
Schenkungs- und Vermögenssteuer) hinkt
Deutschland im Europäischen Vergleich
hinterher. MIt der Vermögenssteuer
könnten 16 Mrd. Euro, durch eine Reform
der Erbschaftssteuer 4 Mrd. Euro
eingenommen werden (Details).
Sehr geehrte Frau Arndt-Brauer, bitte
setzen Sie sich bei Ihrer weiteren
Arbeit im Bundestag für die Umsetzung
dieser Forderungen ein, so dass auf die
Mehrwertsteuererhöhung verzichtet werden
kann.
Mit freundlichen Grüssen
Günter Metzges
der Autor ist Mitarbeiter bei Campact
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