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auf aktuelle politische Entscheidungen.
Anrede,
zunächst vielen Dank, dass Sie mir als Ihrem Wahlkreisabgeordneten Ihre Sicht auf die Erneuerbaren-Energien und Ihre Sorge vor den Gefahren der Kernenergie darlegen. Sorgen, die ich ausdrücklich teile. Es gibt letztendlich keine hundertprozentig sichere Technik. Und auch der Mensch ist in seinem Handeln nicht völlig fehlerfrei.
Auch ist die Endlagerung der in Deutschland angefallenen radioaktiven Materialien nicht geklärt. Dies gilt nicht nur für den Atommüll aus Energiereaktoren, sondern auch für die in Forschung und Medizin entstandenen radioaktiven Abfälle.
Um Ihre Frage direkt zu beantworten: Ich gehe davon aus, dass es beim vereinbarten Ausstieg aus der Kernenergie bleibt. Längere Laufzeiten und den Neubau von Reaktoranlagen halte ich neben den o. g. Problemen weder politisch noch gesellschaftlich durchsetzbar. Damit fehlen uns in Zukunft etwa 23 Prozent der bisherigen in den Atomkraftwerken erzeugten grundlastfähigen Strommengen. Nun lese ich nicht nur bei Ihnen die Forderung, in baldiger Zukunft – und 2050 ist nicht so weit weg – müsse Deutschland seinen Energiebedarf aus Erneuerbaren Energien, wie Photovoltaik und Windkraft, decken.
Mit Verlaub, über diese Strombrücke gehe ich nicht! Und zwar mit Hinweis auf die folgenden Probleme: Wind- und Sonnenenergie sind von Wetterlagen stark abhängig und in großen Mengen nicht speicherfähig. Dazu ein aktuelles Beispiel: Am 6. Januar 2010 gegen 13 Uhr wurden nur etwa 300 MW aus Windkraft zur Stromerzeugung bereit gestellt. Die installierte Windleistung beträgt etwa 25.000 MW, die Stromnachfrage an diesem Tag betrug 70.000 MW. das bedeutet: nur 1,2 % der installierten Windleistung konnten genutzt werden. Anders gesagt: Ohne fossile oder atomare Kraftwerke hätte man am 6. Januar 2010 von 1.000 Haushalten, Gewerbe- und Industriebetrieben 996 die Stromversorgung abschalten müssen!
Desweiteren fehlt uns die erforderliche Netzinfrastruktur, um z. B. den Windstrom von der Nordsee zu den Verbrauchern in Süddeutschland zu transportieren. Neben der von Ihnen abgelehnten Kernenergie gibt es große Widerstände gegen neue Stromtrassen (z. B. im Thüringer Wald) und noch größere Widerstände gegen neue energieeffiziente Kohlekraftwerke und die notwendige CCS-Technik.
Dies bedeutet, dass die bestehenden Atomkraftwerke wie beschlossen abgeschaltet werden, wir in wenigen Jahrzehnten auch aber keine Kohleverstromung in Deutschland haben werden und zu wenig Transportkapazitäten besitzen, um den Windstrom zu transportieren. Bei einem sich verknappenden Angebot werden die Preise stark steigen. Die Verbraucher werden den auch von Ihnen befürworteten Energiemix aus Erneuerbaren Energien zuerst mit hohen Strompreisen und dann mit ihren Arbeitsplätzen bezahlen. Bereits heute findet in Deutschland die energieintensive Aluminiumherstellung nicht mehr statt, demnächst wird es die Chemie, die Zementherstellung, die Glasindustrie treffen. Für die Solarstrom-Einspeisevergütung zahlen die Stromverbraucher bereits heute mehr als 3 Mrd. Euro, wobei Photovoltaik nicht mal 1 Prozent zur Stromerzeugung beiträgt.
Möglicherweise werden Sie meine Einwände beiseite schieben. Ich möchte mir aber später einmal nicht nachsagen lassen, auf diese Zusammenhänge nicht rechtzeitig hingewiesen zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Grund